Liebe Gemeindemitglieder!
Wer Pfingsten feiern möchte, gerät womöglich in Verlegenheit.
Weihnachten und Ostern bieten mit Geburt Jesu und seiner
Auferstehung doch recht markante Aussagen. Aber das Kommen des
Heiligen Geistes ist viel schwerer zu erfassen.
So empfiehlt es sich, die Heilige Schrift zu Rate zu ziehen. Die
Evangelien setzen – was Pfingsten betrifft – unterschiedliche Akzente.
Nur bei Lukas gibt es die uns bekannte Aufteilung: 40 Tage nach
Ostern Himmelfahrt, 50 Tage nach Ostern Pfingsten. Im Johannes-
Evangelium kommt der Auferstandene direkt zu den Jüngern und
verkündet ihnen: „Der Friede sei mit euch. Empfangt den Heiligen
Geist.“ (Joh 20, 19ff.) Und ausdrücklich hält der Evangelist fest, dass
Jesus dabei die Jünger anhaucht.
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Pfingsten steht also immer im engen Zusammenhang mit Ostern. Der
Auferstandene ist seiner neuen Wirklichkeit den Seinen nahe. Die sich
auf ihn hin sammelnde Gemeinschaft lebt aus seinem Geist. Dann ist
Pfingsten ein Tag, an dem sich die Kirche immer wieder daran erinnert,
wie sie entstanden ist und welche Perspektive sie hat. Diese besteht
im Zeugnis der Welt gegenüber für Jesus Christus.
Genau das wollte das II. Vatikanische Konzil, das im Herbst 1962 vom
damaligen Papst Johannes XXIII. einberufen wurde. Gut 2500 Bischöfe
aus aller Welt kamen zusammen und fassten Beschlüsse, die bis
heute von größter Bedeutung sind: Die Reform der Liturgie mit der
Einführung der Muttersprache, die Anerkennung der Religionsfreiheit,
die Öffnung in der Ökumene sowie die neue Bereitschaft, auf die
Zeichen der Zeit in der Welt zu achten.
Nicht nur für mich, der ich als Theologiestudent dieses Ereignis sehr
bewusst erleben konnte, zeigte sich im sogenannten Aggiornamento
ein Wirken des Heiligen Geistes. Dieses wird leider heutzutage
manchmal als Anpassung an die Welt verstanden. Nichts lag jedoch
dem seligen Papst Johannes XXIII. ferner.
Viel mehr ging es ihm um eine "Verheutigung". Die Feiern zum
Konzilsjubiläum werden nur dann keine nostalgischen Zelebrationen
werden, wenn zu diesem Anliegen neue Antworten gesucht werden.
Insofern hoffe ich auf den bevorstehenden Katholikentag in Mannheim,
der entsprechende Akzente setzen könnte.
Bernhard Biskup |